Samstag, 28. März 2015

CD-Rezension "Flemish Rhapsodies"

Die Liste zu recht vergessener Musik ist gewiss recht lang (auch wenn niemand sich so recht getrauen mag, diese auch tatsächlich zu veröffentlichen, wozu auch?). Man begegnet ihr zumindest im Kontext klassischer Konzert ja doch eher selten. Die gegenteilige und sich ständig erweiternde Liste zu Unrecht vergessener Musik sorgt allerdings immer wieder für Überraschungen, die zugleich angenehm als auch unangenehm sind. Unangenehm, da mancher sich fragt, wie es dazu kommen konnte, dass mitunter grossartige Musik den Weg in den klassischen Konzertbetrieb nicht geschafft hat, und angenehm wiederum, da es ein immer wieder eindrückliches Erlebnis ist, Musik kennenzulernen, die, gleichwohl von hartnäckig vergessenen Namen, auf wunderbare Weise lebt, von solider Handwerklichkeit ebenso zeugt wie von manchmal verblüffender Expressivität. Im konkreten Fall handelt es sich um die CD „Flemish Rhapsodies" DICD 920101, die Werke vorwiegend der frühen 30er Jahre aus Belgien von Brusselmans, Schoemaker, De Jong, Absil, Roussel und De Bock präsentiert. Alexander Rahbari führt den Taktstock beim BRTN Philharmonic Orchestra Brüssel, das unter seiner Leitung auf gewohnt energische und zupackende Weise musiziert. Die Stücke selbst sind, jedes auf seine Weise, eine Entdeckung und lohnen den Blick über den bekannten Tellerrand Roussel'scher Klangwelten hinaus unbedingt. Man mag dem einen oder anderen Stück vorwerfen, dass es in den Passagen der Höhepunkte oder der maximalen Verinnerlichung manchmal etwas zu volkstümlich wird - die überwiegenden Teile sind von expressiver Kraft und Virtuosität, kreativem Erfindungsreichtum, großer Frische und souverän gehandhabter, farbiger Instrumentation. Prädikat: Hörenswert, eine Energiepastille.

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