Freitag, 14. Oktober 2016

Offener Brief an die Unterstützer-Organisationen einer selbsternannten "Allianz für Weltoffenheit"

Sehr geehrte Damen und Herren,

der von vielen Unterstützer-Organisationen wie der Ihren intern oder extern vorgenommenen Veröffentlichung des Aufrufes zum vorgeschobenen und dessen eigentliche Intentionen überkleisternden Thema „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (http://www.allianz-fuer-weltoffenheit.de) trete ich entschieden entgegen und fände es angemessen, dass Sie sich für diesen einseitigen Beeinflussungsversuch der Leser und Empfänger in DER zentralen Schicksalsfrage unserer okzidentalen Zivilisation entschuldigen. Sie sprechen sicher NICHT für alle ihre Mitglieder.

Falsches wird dadurch, dass man andere angeben kann, die das gleiche sagen, nicht richtiger - und seien es noch so viele. Daran hat sich seit den Zeiten des Kampfes der Sanctissima Ecclesia gegen Kopernikus und Galilei nichts geändert. Dies gilt nicht einmal, ich sage sogar ERST RECHT NICHT dann, wenn die Apologeten dieser falschen Auffassungen politisch obenauf sind, sich in Machtverhältnissen befinden oder gar vermeintliche Mehrheiten zu repräsentieren vorgeben. Insbesondere wenn die Chef-Ideologen der monotheistischen Religionen, welche ihrerseits erstens nicht als Vertreter unabhängig wissenschaftlicher Wahrheitsfindung und zweitens ausweislich ihrer Geschichte nicht gerade als Hüter und Verteidiger der Menschenrechte aufgefallen sind, sich unter einem nur auf den ersten Blick gut klingenden, auf den zweiten allerdings in sehr übersichtlicher Weise vor allem der Diffamierung, Herabsetzung, Mundtot-Machung und gesellschaftlichen Ausschaltung der Kritiker der von ihnen vertretenen Haltung verpflichteten Motto zusammenfinden, ist äußerste Vorsicht angebracht. Dieses unselige Bündnis tastet die Würde bzw. geistig-moralische Integrität jedes klarsichtigen Aufklärungshumanisten an und markiert eine neue Eskalationsstufe in den politischen Arbeiten an der gesellschaftlichen Ausschaltung kritischen und konsequent religionskritisch-säkularen Denkens.

Die impliziten Vorwürfe gegen die Kritiker des Islam und der gegenwärtigen, amoklaufenden "Flüchtlings"-Politik sind in der Tat atemberaubend: Sie seien gegen "Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat" - und für "Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt". Ich halte hierzu folgendes fest:

1.) Diese Diffamierungen haben inzwischen, in nur etwas geglättetem und indirekt lanciertem Tonfall, propagandaministeriales Niveau erreicht.

2.) Den alten Trick, schäbige Ziele und Pseudo-Werte wie "Solidarität" (die nur durch das Wort "gegenseitig" zu einem tatsächlich positiven Wert werden könnte) und "Toleranz" (die als positiver Wert nur durch Präzisierung ihres Geltungsbereiches darauf, dass a) keine Menschenrechte verletzt werden und b) sie dort zu enden hat, wo Prinzipien der Intoleranz vertreten werden, gerettet werden kann) zwischen tatsächliche Werte zu stecken und, ähnlich wie beim Missbrauch "menschlicher Schutzschilde" auf diese Weise aus dem Feuer herauszunehmen, haben wir durchschaut.

3.) Jeder Religionskritiker wird für sich in Anspruch nehmen, seine Religionskritik eben deshalb vorzubringen, da er GEGEN Menschenfeindlichkeit und Gewalt, wie sie insbesondere von den Religionen strukturell vertreten und faktisch in den vielen Jahrhunderten ihrer Geschichte an Andersdenkenden und "Ungläubigen" verübt worden ist, aufstehen möchte, nicht etwa FÜR sie, wie die ominöse "Allianz" in hetzerischer und verleumderischer Weise nahelegt.

Die beteiligten Organisationen sollten sich nicht mit solchen glitzerverpackten, in Wirklichkeit jedoch sehr übersichtlichen und niederträchtigen Devalidierungs- und Herabwürdigungsmanövern von Aktivisten gemein machen, deren - mit ohrenbetäubendem publizistischem Humanitätsterror ummänteltes - verhängnisvolles Wirken im Sinne eines kollektiven Zivilisationsmasochismus im Worst Case zum Fall unserer okzidentalen, menschenrechts- und rechtsstaats-basierten Kultur an ihren über tausendjährigen Erzfeind führen kann. Nach der von diesen Interessengruppen eifrig und eisern konsequent als Ziel (oder mindestens als in Kauf genommenes Nebenprodukt) vorangetriebenen Implementierung der Scharia in Deutschland und West-Europa wäre es aus mit der Musik, weiter Teile der Politik und Kultur, mit der Tätigkeit von Musikern, weltlichen Kulturschaffenden, Journalisten und Politikern - sowie damit auch mit den entsprechenden Verbänden.

Und falls sich die allerschlimmsten Befürchtungen der Islam- und Zuwanderungskritiker je bewahrheiten sollten, könnten die beteiligten Organisationen gar als Mittäter der Beihilfe zur Vorbereitung eines Völkermordes (an den Deutschen) auf der Anklagebank landen. Das ist im umgekehrten Falle (d.h. des Eintretens der schlimmsten Bedenken des politisch-medialen Establishments) nicht zu befürchten und wurde - anders als durch den IS - von niemandem seitens Pegida, AfD o.ä. (nicht einmal von der NPD), je gefordert oder gar angedroht. Eine Institution, ein Verband oder Berufsverband hat in Schicksals-Fragen dieser Tragweite neutral zu bleiben und nicht einen Teil der Mitglieder wegen politisch unbequemer Ansichten oder Befürchtungen davon auszuschliessen, sich durch ihren Verband auch weiterhin vertreten fühlen zu dürfen.

Heidelberg, Ende Februar 2016

(c) 2016

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